Gebetsschwierigkeiten

Es gibt unterschiedliche Gebetsformen, Arten, mit je einer unterschiedlichen Tiefe des Erlebens. Gebete, die wir aus den unterschiedlichsten Gründen, in den verschiedensten Situation in unserem Leben verrichten. Vorausgesetzt, dass wir diese Praxis überhaupt je ausüben. Es gibt Bitt- oder Dankgebete, Lobpreis, Anbetung oder Kontemplation. Betet ohne Unterlass, lehrt uns die Heilige Schrift, doch wie soll das eigentlich gehen, wenn wir uns denn schon überhaupt dem Gebet zuwenden. Das Gebet, so sagt die hl. Theresa von Ávila, ist das Verweilen bei einem guten Freund. Das hört sich gut an! Allein bis wir eine solche Tiefe, bzw. ein solches Niveau erreichen, bedarf es einer gravierenden inneren Wandlung, welche wiederum (zumindest in der Regel) nicht von heute auf morgen kommt, sondern meistens in einem langen Prozess und viel Gnade der barmherzigen Liebe Gottes, vollzogen wird. Bis es jedoch soweit ist, üben wir uns in eher „kleineren Formen“ des Gebetes. Sofern wir dies aber mit einer konstant anhaltenden Determination tun, merken wir, je intensiver wir uns dem Gebet zuwenden, dass es uns zunehmend immer schwerer fällt gesammelt und auf das Gebet konzentriert zu bleiben.

Doch ist das überhaupt normal und muss das wirklich sein? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns der Frage stellen, was das Gebet wirklich in seinem innersten Wesen ist. Denn obgleich es verschiedene Formen und Arten des Gebetes gibt, so haben sie alle etwas, das sie vereint. Sie alle haben nur einen Adressaten. Das ist natürlich Gott! Und obwohl wir in der katholischen Kirche auch die Heiligen verehren, an die wir uns sehr gerne wenden, allen voran die Heiligste Jungfrau Maria, oder auch an die heiligen Engel, sind sie doch nicht jene, zu denen wir beten, sondern Gott! Die Heilige Jungfrau Maria und andere Heilige bitten wir lediglich um Ihre wohlwollende Fürsprache vor dem Throne Gottes. Daher ist das Gebet in seinem eigentlichen Kern, stets eine Hinwendung auf den allein heiligen, wahren, lebendigen und ewigen Gott Vater, Sohn und den Heiligen Geist. Da uns dies aber leider nicht sogleich in einer vollkommenen Weise gelingt, können wir vielmehr von einem Versuch sprechen, den eigenen Geist auf Gott hin auszurichten. Mit Ihm so weit und so nah wie möglich in Verbindung zu treten. Dies ist jedoch, insbesondere in der Anfangszeit, nicht der Wunsch unseres ganzen Wesens, sprich: des Geistes und des Fleisches. Denn unsere menschliche Natur steht im Widerstreit dazu und hindert unseren Geist daran, sich in das Gebet zu vertiefen. Selbstverständlich ist diese nicht der einzige Feind des Gebets! Auch der Widersacher Gottes, hat so gar kein Interesse an unserer geistigen Entwicklung und so stört er jede gute Regung des Geistes, durch eine ungeordnete Regung des Fleisches. So kommt uns beim Beten nur allzu leicht und allzu oft alles Mögliche in den Sinn. Dazu Langeweile, Müdigkeit und/oder Widerwille gegen das Gebet.

Darum ist es notwendig unsere menschliche Natur zu bekämpfen und letztendlich zu besiegen, damit der Geist über das Fleisch regiert und nicht umgekehrt! Denn eben aus diesem Grund, weil das Fleisch mit all seinen Begierden in uns so stark und der Geist so schwach ist, fällt uns das Beten so schwer. Eben aus diesem Grund ist das Gebet auch immer ein Kampf. Ein Kriegsschauplatz zweier Naturen, die einander entgegengesetzt sind: unser Fleisch wider unseren Geist und umgekehrt. Die Väter und die Heiligen lehren uns daher, das Fleisch abzutöten, um dem Geist zum Wachstum zu verhelfen. Auch der Herr bestätigt es selbst, wenn Er spricht: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Dass aber nicht unser Fleisch und Blut und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse und Gelüste im Vordergrund und Zentrum stehen, sondern der Geist, bestätigt Jesus mit Seinen Worten: Der Geist ist es, der lebendig macht. Das Fleisch ist zu nichts nütze.

Abgesehen davon, dass das Gebet eine Hinwendung auf Gott ist, welche immer mit einem dramatischen Kampf einhergeht, ist es dazu auch noch ein Leiden! Denn zum einen müssen wir unserer menschlichen Natur Gewalt antun (zum Beispiel durch das Fasten), das aber für jene einen Schmerzt und Leiden bedeutet. Zum anderen aber erleben wir uns als furchtbar schwach und elendig, da wir merken, wie sehr unser Fleisch noch über unseren Geist regiert. Sodass wir uns kaum im Gebet zu Gott erheben können. Der hl. Johannes von Kreuz sagt dazu: auch wenn die Schnur noch so dünn ist, die am Fuß des Vogels gebunden ist, hindert sie ihn doch am Fliegen!

Wollen wir also unser Gebet vertiefen und intensivieren, so wird es uns nicht gelingen, ohne den Körper zu züchtigen. Vorrangig durch das Fasten, aber auch durch andere Übungen, die wir aber dringend in Absprache mit dem Beichtvater auf uns nehmen sollten. Denn nur allzu leicht und allzu schnell würden sich diese Übungen gegen uns wenden, in Form von Stolz, Hochmut, Arroganz, Impertinenz usw. Erst dann, so Gott will, wird sich unsere innere Haltung, unser Denken, Weltanschauung und nicht zuletzt unser Gebet wandeln! Unser Geist, mit und durch die Gnade Gottes wachsen und an Kraft zunehmen. Der innere Blick wird klarer, unser Wesen an Demut, Bescheidenheit und Genügsamkeit zunehmen. Das aber, was uns jetzt noch am rechten Beten hindern will, wird schwächer werden und schwinden, bis wir hoffentlich einmal ganz frei (und zwar von uns selbst) werden und uns aufschwingen können, um dann in unseren reinen Herzen Gott zu schauen. Nicht erst droben und irgendwann, sondern hier und jetzt…

Sinn des Lebens

In unserer Zeit, da ungezählte Informationen aus allen Richtungen auf uns einprasseln und eindreschen, können und wollen wir kaum noch etwas, oder am besten gar nichts mehr hören. Ein altes Schlosser-Sprichwort sagt: nach ganz fest, kommt ganz leicht. Das weiß der Teufel auch und da es ihm sehr daran gelegen ist, die Menschheit ganz und gar in die Irre zu führen, wendet er gerade in unserer Zeit eben genau dieses Prinzip an. Er dreht den Informationshahn derart stark auf, dass kein Mensch mehr in der Lage ist, auch nur das Geringste in sich aufzunehmen. Geschweige denn zu unterscheiden, zwischen dem was wahr, oder gelogen, was richtig, oder falsch ist. Ein tausend sagen dies, zehntausend jenes! Ein hundert tausend sagen das, eine Million etwas anderes und das alles in einer solchen Geschwindigkeit, dass wohl selbst ein Quantencomputer Schwierigkeiten hätte, alles aus- und zu bewerten.

In einer solchen Zeit komme ich nun mit meinen Gedanken und diesem kleinen Text hier auch noch dazu. Als wäre alles andere nicht ohnehin schon unermesslich viel zu viel. Doch eben gerade aus diesem Grund schreibe ich ja diesen Text und möchte mit dem Leser die darin vermittelten Gedanken teilen.  Der Hauptgedanke, der mich beschäftigt dreht sich nicht um die Belange dieser Welt, die überall ertönen und/oder gedruckt werden. Vielmehr stelle ich mir die Frage: wozu bin ich eigentlich hier? Warum hat Gott mich ins Dasein gerufen? Denn wenn ich eine Antwort darauf weiß, kann ich all die anderen Informationen, und zwar wirklich alle, in einem anderen, ja neuen Licht betrachten. Sie alle werden vom Licht dieser Antwort beleuchtet und durchdrungen sein, denn diese Antwort gibt all dem Sinn, was mich ansonsten eines jeglichen Sinnes beraubt!

Wozu bin ich also da und warum hat Gott mich ins Dasein gerufen? Um Ihn, den einen wahren und ewigen Gott kennen- und lieben zu lernen. Das war’s, nicht mehr und nicht weniger… Oder? Doch ein bisschen kommt noch hinzu. Nämlich, um mich selbst kennen und auch lieben zu lernen. Da wird sich sofort die Frage stellen: „ja kenne ich mich denn etwa nicht?“. Nun, so unglaublich, oder gar absurd es sich auch anhören mag, wir kennen uns selbst nicht! Zumindest nicht in dem Maße, in dem Gott uns kennt. Aber genau dorthin möchte uns der Herr Jesus Christus führen! Er sagt von sich selbst, Er sei der gute Hirte! Er sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Pilatus erwidert quasi auf diesen Ausspruch hin die Frage: „Was ist Wahrheit?“. Tja, sehr gute Frage! Was ist Wahrheit? Jesus sagt: „Erkennt die Wahrheit und die Wahrheit wird euch befreien“.

Eine andere Frage lautet, da hier von Wahrheit und Liebe die Rede ist, was ist Liebe? Nein, wenn du nun denkst, es sei das wohl am meisten missbrauchte Wort überhaupt, das am meisten zerredete Wort aller Zeiten, eine Worthülse, in die jeder den Inhalt hineinstecken darf, der ihm gefällt, nichts ferner als das! In der Heiligen Schrift heißt es dazu: „Gott ist Liebe“. Jesus sagte einmal zu einer polnischen Mystikerin: Liebe ist Selbsthingabe. Und Er lehrt uns in Seinem Evangelium mit den Worten: „verleugnet euch selbst“. Um diese Aussage mit einem einzigen Satz zu paraphrasieren, heißt dies soviel wie: „stelle dich nicht über allem, sondern alles über dich“. Autsch, nicht wahr?  Ja das hat etwas mit Wahrheit, Liebe und der Selbsterkenntnis zu tun. Und genau darum sind wir hier. Um die Wahrheit zu erkennen, die Gott selbst ist! Also Gott zu erkennen so wie Er wirklich ist. Aber nicht allein nur erkennen, sondern eine persönliche Beziehung zu Ihm aufzubauen und Ihn nicht nur kennen, sondern auch lieben zu lernen. Um sich in Ihn zu verlieben! Ja, nach Ihm verrückt zu werden und in dieser Verrücktheit sich selbst völlig zu vergessen. Um dieser Liebe zu Jesus Christus willen.

Wir sind dazu da, um zu erkennen, wer wir wirklich sind, und zwar so wie Gott selbst uns erdacht und erschaffen hat. Nicht, dass wir dazu aus uns selbst heraus in der Lage wären, doch Gott befähigt uns dazu, dieses Ziel zu erreichen.

Wir sind hier, um die eigene Identität wiederzufinden
und unser Leben dazu zu nutzen,
uns auf die Begegnung mit dem einen,
wahren, lebendigen und ewigen Gott vorzubereiten!

„Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“, sagt der Psalmist. Doch wie soll es jenen ergehen, die sich auf diese Begegnung aus freien Stücken und Entscheidung nicht vorbereiten wollten, oder wollen?

All das weiß natürlich nicht nur ich, sondern auch der Widersacher Gottes. Das ist der Teufel. Denn, obwohl er undenkbar böse ist, ist er auch unvorstellbar intelligent. Als eines der höchsten erschaffenen Wesen, hat er sich von Gott abgewandt und wurde zum Inbegriff des personalen Bösen. Doch all das bewegte Gott nicht dazu, diesem gefallenen Wesen die Attribute, mit denen es erschaffen wurde abzunehmen. So behielt es also mitunter auch seine, für uns Menschen nicht denkbare Intelligenz. Doch gerade diese wendet er nun dazu an, Gott so viel Schaden zuzufügen, wie er nur vermag und ebenso viel Kummer, Schmerz und Herzeleid. Denn neben dem Menschen, den er mit dem ganzen Hass der Hölle hasst, hast er auch Gott und nicht zuletzt sich selbst. Zwar gibt es Menschen, die dieses von Gott abgefallene Wesen vergöttern, anbeten und für etwas Besonderes halten und ihm sogar dienen (wollen), doch sie sollen sich nicht täuschen, der Hass des Teufels gegen sie sei geringer als gegen andere Menschen. Es mag sein, dass sein Hass gegen die sogenannten Teufelsanbeter, Satanisten und welche Namen sie sich sonst noch geben mögen, noch größer ist als gegen andere Menschen. Die Quallen, welche jene Menschen in der Ewigkeit erleiden werden, lassen sich mit keinem noch so schrecklichen Bild vergleichen. Sofern sie sich von ihrem Irrweg nicht abkehren.

Doch genau dies ist das fiese und gemeine „Spiel“ des Teufels! Da er eben weiß, wenigstens ansatzweise, wozu der Mensch berufen ist, nämlich um die Wahrheit zu erkennen, Gott und sich selbst kennen und lieben zu lernen, tut er alles dafür, dass der Mensch dieses Ziel nicht erreicht. Was den Informationsfluss angeht, so wird er darum bemüht sein, jede, auch nur die geringste Information zu blocken, zumal dann, wenn sie wahrhaftig ist. Oder da er dies z.B. in heutiger Zeit nicht mehr vermag, verhilft er dazu, ganz einfach ausgedrückt, dass das Chaos perfekt ist. Dass nämlich alle Menschen derart durcheinander und gegeneinander reden, dass kein Mensch mehr weiß, was richtig und was falsch ist. Wie wir sehen, beherrscht er sein Handwerk wirklich gut!

Ein Mönch wurde einmal gefragt, was er Gutes über den Teufel sagen könnte. Dieser dachte einen Augenblick lang nach und antwortete: „eines muss man dem Teufel lassen: fleißig ist er ja!“. In der Tat, fleißig ist er. Die Ernte, die er in einer Zeit wir die unsere einfährt, bereitet ihm vermutlich so viel Schadenfreude, wie zu keiner anderen Zeit in der bisherigen Weltgeschichte.

Sein oberstes Bestreben besteht also darin, den Menschen, von dem ihm von Gott vorherbestimmten Weg abzubringen. Da ihm dieser Plan aber umso leichter gelingt, je weiter und je mehr der Mensch von Gott entfernt ist, trennt er mit all seinem Hass den Menschen von seinem Schöpfer so sehr, wie es nur möglich ist. Dies gelingt ihm vor allem durch die Sünde. Nicht nur, denn Desinformation, Chaos und Durcheinander gehören ebenfalls zu seinen Lieblingsinstrumenten. Aber die Sünde ist ein köstlicher und wertvoller Schatz in seinen Augen. Denn durch sie hat er ein allzu perfides Instrumentarium in seinem Wirkbereich, der seinem Plan den Menschen von Gott zu trennen, besser nicht dienen könnte.

Die Trennung des Menschen von Gott durch die Sünde, hat aber vor allem eines zufolge: das natürliche, gottgegebene, innere Licht des Menschen erlischt! Der Mensch wird zunehmend unempfindsamer, ja blinder für die Wahrheit, wahre Erkenntnis und wahre Liebe. Aber auch immer blinder für Irrtum, Selbstsucht und Hass. Er vermag, je weiter er von Gott entfernt ist, diese Dinge umso weniger erkennen. Weder Gott, noch sich selbst, noch die Wahrheit oder die wahre Liebe, noch Lüge, Irrtum und Betrug (vorrangig nämlich des Teufels). Ganz anders der tugendhafte Mensch, der darum bemüht ist im Stande der heilig machenden Gnade zu leben und darum, eine immer engere, schönere und reinere, persönliche Liebesbeziehung zu Jesus Christus aufzubauen und zu pflegen. Wobei dem Menschen die heiligen Engel Gottes, sowie die Heiligen im Himmel und auf der Erde zu Hilfe eilen. Allen voran natürlich die Mutter dessen, der uns zum unendlichen Glück berufen hat, nämlich die Heiligste Jungfrau Maria.

Die Entscheidung liegt immer beim Menschen. In der heutigen Zeit kann er so leicht wie noch nie in die Irre geführt werden. Denn in keiner Zeit bisher, war die Medienwelt so weit und breit ausgebaut, wie es heute ist. Als Jesus einmal gefragt wurde, woran wir das nahende Ende der Zeit erkennen (dies mag vielleicht als ein epochaler Wendepunkt verstanden werden), antwortet Dieser: „Seht zu, dass euch niemand in die Irre führt“.  Dies ist also ein wichtiges Zeichen dafür, dass wir wirklich in einer besonderen Zeit leben und vielleicht auch nicht zuletzt darum der Teufel und die ganze Hölle zum Endkampf ausgerückt ist, um so viele Seelen ins ewige Verderben zu stürzen wie möglich.

Doch dazu sind wir nicht berufen! Nicht das ist der Sinn, den Gott in den Grund unseres Seins und unseres Daseins hineingelegt hat. Er möchte uns die Schönheit, Freude und Liebe schenken, und das nicht nur hier und jetzt, sondern für immer und ewig. Dazu hat Er uns bestimmte Hinweise gegeben, die uns dabei helfen können, den Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Aber der Weg ist Jesus Christus! In Ihm hat Gott dem ganzen Sein insgesamt den zentralen und eigentlichen Sinn gegeben! Und Ihn, diesen Jesus Christus zu erkennen und lieben zu lernen ist unsere Berufung und der Sinn unseres Lebens.

Gott auf dem Grund unserer Herzen

Kommen wir nur ein einziges mal wirklich zur Ruhe, für ein paar Minuten und prüfen wie viel Zeit wir allein mit sich selbst verbringen.  Nicht mit irgendwelchen Menschen, Dingen, Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder ein anderes Hobby usw. Sondern ganz mit sich allein. Zum Beispiel bei einem Waldspaziergang, ohne Handy und ohne irgendeiner Begleitung. Ja sogar ohne Hund &Co.

Allgegenwärtig ist irgendeine Ablenkung, Zerstreuung, von mir aus Entspannung bei schöner Musik, ein Buch, ein Film usw… Aber ich selbst, nur mit mir allein?  „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe“ sagt Jesus. Doch was heißt das?  Das bedeutet, dass wenn wir damit beginnen, Zeit nur für uns allein zu finden, beginnen wir nahe zu sein!  Und zwar nahe bei uns selbst. Denn das Himmelreich ist nicht da und nicht dort. Es ist hier! Auf dem Grund unserer Herzen. Dort wartet Gott still und geduldig darauf, sozusagen „entdeckt“ zu werden. Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe.

Doch meistens wollen wir gar nicht in uns gehen. Ja noch nicht einmal darüber nachdenken!  „Ich mit mir allein?  Gott bewahre!“  Ist es nicht so?  Wir haben mindestens eine Million gute Gründe, warum wir’s nicht tun können oder wollen.  In Wahrheit scheuen wir uns davor. Wir haben schlicht Angst! „Wer oder was wird mir dort begegnen? Und was wenn ich dort, tief in mir nur gähnende Leere und Dunkelheit finde?  Was wenn dort Gedanken und Gefühle verborgen und vergessen sind, dich ich mein Leben lang verbergen und vergessen wollte!?“

All das müssen wir noch nicht einmal bewusst denken. Ebenso kann es uns gleichsam vom Bauch her ergehen. Wir wissen nicht warum, haben aber keine Lust darauf. Und tauchen wieder ein, in all diese vielen Ablenkungen und Zerstreuungen, die uns das Umfeld bietet.

Die mutigen jedoch wagen diesen Schritt. Sie schauen in sich hinein. „Was denke ich wirklich? Was fühle ich? Wonach sehne ich mich? Was ängstigt mich? Schauen an ihre hässlichen Gefühle, Gedanken, Emotionen und Perversionen. Scheuen nicht davor zurück, gehen tiefer und tiefer in sich hinein.  Es ist ein Prozess, der lange dauert. Man braucht schon viel Geduld und Ausdauer, sich selbst zu entdecken. Sich mit sich selbst anzufreunden, sich kennen und lieben zu lernen. So Gott will werden wir verschiedene Impulse erhalten. Manche schenkt Er unmittelbar, aus dem tiefsten Innern unserer selbst. Andere durch unser Umfeld, zuhören, beobachten usw.  Doch am Ende werden wir verstehen, dass von den zehn Geboten, die ersten drei von Jesus besonders hervorgehoben werden: Gott zu lieben, und sich selbst wie den nächsten. Das ist Himmel. Schon hier und in diesem Leben!  Nicht irgendwann einmal, wenn wir tot sind. Jener mag die eigentliche Erfüllung des Himmels hier auf dieser Erde sein – so wir ihn denn hier finden! Aber Menschen, die hier nicht im Himmel leben (Erfüllung der ersten drei Gebote), sollen sich bloß nicht einbilden, dass der Tod sie einmal „hochwerfen“ wird. Nein, wohl eher im Gegenteil.

Die Erfüllung der ersten drei Gebote, beginnt bei uns selbst. Wenn du Mensch dich nicht in annähernd ähnlicher Weise kennen und lieben lernst, wie Gott es tut, so glaube ja nicht, dass du deinen nächsten, geschweige denn Gott lieben kannst!  Vernimm es, nimm es zur Kenntnis: viel mehr hasst du dich selbst, deinen nächsten und Gott. Auch wenn es dir überhaupt nicht bewusst ist. Wie sollte es auch, wenn du in Wahrheit nicht den geringsten Zugang zu dir selbst hast?!

Entdecke dich, finde dich. Lerne dich selbst kennen und lieben und es wird ein Frieden in dir sein, den in seinem Kern nichts erschüttern kann.  Dort, auf dem Grund deines Herzens, deines innersten „ich“, begraben unter dem Berg deines Lebens, dort bist wahrhaft du! Und dort ist wahrhaft Er!

Aufforderung zur Wachsamkeit

„Was ich aber euch sagedas sage ich allenSeid wachsam!“ Mk 13,37

Was bedeutet es „seid wachsam“? Stellen wir uns einen schlafenden Menschen vor, der einen Traum hat. Entsprechen die Bilder, die er in diesem Traum sieht, der ihn umgebenden Wirklichkeit oder nicht? Wir wissen: es ist nicht die Wirklichkeit, die ihn und uns umgibt. Es sind Traumbilder. So sieht also ein schlafender Mensch nicht die Wirklichkeit so wie sie wirklich ist, sondern so wie er sie sich gleichsam „erträumt“.

Es stellt sich die Frage: wer sieht die Wirklichkeit so wie sie wirklich ist? Absolut klar und vollkommen unbeirrt. Nur Gott tut es! Wie ist es aber mit mir, wie sehe ich die mich umgebende Wirklichkeit (inklusive Selbsterkenntnis).  Etwa ebenso wie Gott, absolut klar und vollkommen unbeirrt? Wenn das so wäre, dann bin ich ja wie Gott! Wer das glaubt, der braucht wirklich nicht weiter zu lesen, sondern soll schnellstens antworten und alle belehren, denn er ist es wert!  Wenn ich aber anerkenne, dass ich nicht Gott bin, und dass meine Wahrnehmung der Wirklichkeit, meines Verhaltens, meiner Gefühle und Emotionen, Gedanken, Worte und Werke, meiner Vergangenheit und Gegenwart (und evt. der daraus folgenden Zukunft) nicht absolut klar und nicht vollkommen unbeirrt ist, dann darf und sollte ich bei Aufruf Jesu hellhörig werden: „Was ich aber euch sagedas sage ich allenSeid wachsam!“.  Das heißt betrügt euch nicht selbst und lasst euch nicht betrügen, denn die List der bösen Menschen (in Medien, Kultur und Politik) ist sehr undurchdringlich. 1 Petr 5,8  Lernt die Wahrheit zu erkennen, über Gott, euch selbst und die Welt – und diese Wahrheit wird euch wirklich frei machen Joh 8,31+32  Joh 8,36

Tiefste Sehnsucht

Was uns in Wahrheit zutiefst verletzt, das wir jedoch sehr geschickt zu kaschieren wissen, ist die fehlende Relation, also fehlende Beziehung zu anderen Menschen und in letzter Konsequenz zu Gott. In Wahrheit leiden wir sehr unter der kaum, oder faktisch nicht vorhandenen Beziehung zu Eltern, Geschwistern, zu den Kindern, Nachbarn, Arbeitskollegen, Bekannten, ja und manchmal sogar zu sogenannten Freunden.

Vieles ist nötig, um diesem Missstand zu entkommen. Aber eines ist sicher: ohne sich selbst zu finden, werden wir weder Gott, noch irgendeinen anderen Menschen wirklich finden, das heißt keine wirkliche und echte Beziehung haben.  Sich selbst zu finden, bedeutet sich selbst zu erkennen so wie man wirklich ist. Sich selbst gleichsam so zu sehen, wie Gott sieht. Die unverfälschte Wahrheit über sich selbst nicht nur zu erkennen, sondern auch noch anzunehmen.

Die Wahrheit über meine Vergangenheit (Kindheit, Jugend…), Gegenwart und Zukunft. Letztlich sind wir aber unumgänglich auf die Gnade und Hilfe Gottes angewiesen. Wollen wir also zu uns selbst finden, brauchen wir Gott und müssen Ihn um Seinen Beistand, Hilfe und Gnade bitten.  Oft aber bitten wir nur zum Schein, und betrügen uns selbst. Denn Gott können wir nicht betrügen, so werden diese Bitten wohl kaum erhört.  Wenn wir aber wirklich sehr sicher sind, und es wirklich aus ganzem Herzen wollen, sollten wir nicht nachlassen und Gott beharrlich um diese Gnade, der unverfälschten Selbsterkenntnis, Erkenntnis Gottes und der Welt bitten.

Danach kann Gott uns weiter führen, zu einer wirklichen und lebendigen Beziehung zu sich selbst, zu Ihm und zu anderen Menschen, von denen hier zu Anfang die Rede war. Dies kann aber ein langer Prozess sein, der viele Jahre dauern kann.  Hier bewährt sich die Geduld der Heiligen. Kol 3,12 Röm 5,3-4

Sich selbst lieben lernen

Sich selbst ganz und gar zu lieben, bedeutet erst einmal sich selbst zu erkennen in dem Licht, das Gott schenkt. Denn der Mensch verfügt über ein solches Licht nicht. So muss seine vermeintliche Selbsterkenntnis, welche nicht durch die übernatürliche Einwirkung der Göttlichen Gnade zustande kam, zwingend falsch sein.

Hat der Mensch sich aber erkannt, so wird vieles sichtbar, das ihm nicht sehr gefallen wird. Abgründe werden sich auftun und Dunkelheiten treten zum Vorschein. Verletzungen und eiternde Wunden, welche man selbst erlitten oder aber anderen Menschen zugefügt hat. Unversöhntes und nicht vergebenes. Elend und Schmerz, wahrhaftig keine Freude.

Diesen Abgrund gilt es nun mit der Hilfe und Gnade Gottes zu durchschreiten. Nicht stecken zu bleiben in der Depression, aber auch nicht zurückzulaufen in die Ausschweifung. Auf keinen Fall davonzulaufen!

Sodann werden wir die Augen Gottes erhalten, um uns selbst anzuschauen. Alle Hässlichkeiten anzuschauen, mit der größtmöglichen Liebe, Akzeptanz und Annahme. Dort findet sich Raum, alles was uns an uns selbst hässlich und unannehmbar vorkommt anzunehmen. Die zu flachen oder zu runden Körperteile, Narben, schiefe Nasen oder Zähne, zu kurze, zu lange, zu dünne oder zu dicke Gliedmaßen usw. Ebenso das ganze Elend des eigenen Lebens. Das vergangene, das gegenwärtige und das zukünftige. Nichts wird ausgelassen. Alles wird angenommen mit Liebe und zärtlicher Berührung.

In dieser Annahme unserer selbst, können wir Ruhe, Wärme und Geborgenheit finden, den Frieden nach dem wir so lange gesucht haben. Die Liebe, Akzeptanz und Annahme durch den, der uns Sein geöffnetes Herz niemals aufkündigen wird.

Jesus Christus töten

Was bedeutet es Jesus Christus zu töten?  Geht es darum eine Zeitreise zu machen, um Ihn selbst zu kreuzigen, oder wenigstens die Lanze in Seine Seite zu stechen? Nein, nichts dergleichen.

Jesus Christus zu töten, bedeutet Ihn in seinem Herzen zu töten.

Was bedeutet es, Jesus in seinem Herzen zu töten? Um auf diese Frage antworten zu können, muss man wissen was hier mit dem „Herzen“ gemeint ist.  Als das Herz wird das Zentrum, die Quelle und der Ursprung der menschlichen Gedanken bezeichnet. Mk 7,21   Je nach dem welche Gedanken mich umhertreiben, mich motivieren oder behindern, gestalten sich meine Worte und Werke, meine Wege, Ziele und Pläne, Hoffnungen oder Ängste, ja mein ganzes Lebenskonstrukt. Lk 6,45

Jesus zu töten bedeutet also nicht, eine Zeitreise zu machen um Ihn zu kreuzigen, sondern Ihn aus dem eigenen Herzen zu verbannen – zu töten. Aus meinen Gedanken, aus meinem Alltag, meiner Umgebung, aus meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ihm keinerlei Raum zu schenken, oder zu beteiligen an all dem was mich bewegt oder lähmt. Jesus zu töten heißt also Ihn völlig aus meinem ganzen Leben auszuschließen. Nicht mit Ihm zu rechnen.

Manche Menschen sind davon überzeugt an Gott zu glauben. Sie beten, gehen in die Kirche, zur Beichte, zur Kommunion, Vielleicht sind sie sogar karitativ tätig, oder sie sind Mitlieder in kirchlichen Gremien.  Aber sie lassen Christus keinen Platz in ihrem Herzen und deshalb auch nicht in ihrem Leben. Mt 7,22 Sie sind ähnlich den Wirten, die Maria und Josef nicht in ihre Häuser hinein lassen wollten, damit der Sohn Gottes nicht etwa in ihrer Mitte (in ihrem Herzen) geboren werden und ihnen Sein Heil schenken könnte.

Gott ist (dein) Heil

In Wahrheit ist Gott nicht derjenige, der dich in irgendeiner Art und Weise versklaven, sondern Er ist einer der dir die Augen öffnen will. Einer, der dich auf gewisse Dinge und Umstände aufmerksam machen will. Auf all das böse und schlechte in deinem Leben, das man dir angetan hat. Aber auch, das du anderen angetan hast. Und das nicht, um dich zu vernichten, oder zu quälen, sondern um dich von all dem zu befreien durch echte Vergebung.  Nicht dass Er dir vergibt, denn das tut Er, wenn du Ihn wirklich darum bittest (etwa bei der Beichte), sondern dass du vergibst! Und nicht nur den anderen Menschen, sondern vor allem dir selbst und auch Ihm. Gott.

Und so will Gott dich führen, zur wahren Erkenntnis. Damit du wirklich siehst, was in deinem Herzen ist! Welche Ängste, Sehnsüchte, welche Abgründe, Abscheulichkeiten und Widerwärtigkeiten, aber auch welche Verwundungen und Verletzungen. Ungeheilte Wunden, eiternde Wunden, die du zugeschüttet hast mit dem Schrott aus Disco, Kino oder TV, aus Alkohol oder Sex, vielleicht sogar Spielsucht oder Drogen, aus Wut, Hass und Gewalt.

Diese Wunden will Gott dir zeigen. Sie zärtlich berühren, auch wenn jede noch so zärtliche Berührung für dich einen großen Schmerz bedeuten kann. Er will diese Wunden ans Licht (deines Bewusstseins) bringen damit du sie erblickst, sie erkennst und damit sie in Seinem Licht, in Seiner Wahrheit und Liebe heilen können. Lk 10,33-34